Arbeitspause

Wie Du Deine Schüchternheit ablegen kannst, ohne Dich zu komplett zu blamieren (auch wenn Du das für völlig ausgeschlossen hältst)

Die Welt ist eine Bühne.

Klingt komisch, aber daran lässt sich nichts rütteln.

Jeden Tag präsentieren wir uns, egal, ob wir das nun wollen oder nicht.

Ob wir nun zum Bäcker gehen oder in das nächste Meeting gehen müssen.

Vor vielen Jahren war es ganz schlimm für mich, Präsentationen zu halten, um meine Meinung gefragt zu werden, im Mittelpunkt zu stehen.

Ich war schüchtern.

Schüchternheit bestimmte mein Leben.

Wenn ich etwas vor versammelter Runde gefragt wurde, dann errötete ich.

Wenn man von mir erwartete, dass ich etwas Tiefsinniges antworten sollte, brach mir der Schweiß aus.

Es war schlimm.

Trotz Abitur und abgeschlossenem Studium hatte ich Angst, entlarvt zu werden, ich ging davon aus, dass alle anderen es besser wussten.

Und dass sie ein vernichtendes Urteil über mich treffen würden, wenn sie mich entlarven würden.

Das hatte zur Folge, dass ich mich immer weniger zeigte, es vermied überhaupt in die Gefahr zu geraten, gefragt zu werden.

Auch die meisten Menschen waren mir suspekt.

Ich machte mich klein und unbedeutend.

Das war natürlich nicht sehr günstig für meine persönliche Entwicklung.

Und heute? Heute ist das ganz anders…

Schüchternheit ist etwas anderes als Introvertiertheit

Um Schüchternheit zu verstehen, ist es sinnvoll, erst einmal zu verstehen, dass Schüchterheit primär erst einmal nichts mit Introvertiert zu tun hat.

Introvertierte Menschen sind sich meist selbst genug.

Sie hören erst einmal zu, bevor sie antworten.

Das was sie sagen, hat meist Hand und Fuß.

Sie sind ganz bei sich und benötigen keine große Bühne.

Und wenn sie einen Vortrag halten müssen, machen sie es, sie sind bestens vorbereitet und präsentieren alle notwendigen Informationen auf den Punkt.

Extrovertierte Menschen hingegen zeigen sich gerne nach außen, sie performen, wie man so schön sagt.

Einen extrovertierten Menschen kann man auch als Rampensau bezeichnen.

Er haut auch schon mal einfach so einen Spruch heraus, bevor er darüber nachdenkt.

Der schüchterne Mensch hingegen kann auch introvertiert sein.

Er kann aber auch extrovertiert sein.

Er würde sich wirklich gerne mehr nach außen zeigen, doch es fällt ihm schwer.

Er stößt immer wieder schnell an seine Grenzen und zieht sich in sein Schneckenhaus zurück.

Gerne würde er mit Menschen in Kontakt treten, gute Verbindungen eingehen, Freunde finden, Lebenspartner, Menschen, die ihm wichtig sind und andersherum.

Er kann auch eine regelrechte Angst davor entwickeln, etwas von sich zu zeigen.

Und setzt auch gerne mal eine Maske auf, damit sein wahres ICH nicht erkannt wird.

Deshalb wirkt er dann auch nicht besonders authentisch.

Schüchterne Menschen haben Probleme damit, das, was sie wahrnehmen zu ihren Gunsten zu interpretieren.

Im Zweifel, interpretieren sie alles gegen sich.

Jeder andere Mensch ist besser und das Kopfkino spielt immer und immer wieder den gleichen Film herunter:

Wenn jeder andere Mensch besser ist, warum sollte sich dann überhaupt jemand ernsthaft mit mir beschäftigen?

Die Angst vor Ablehnung ist hier ein großer Treiber.

In ganz ausgeprägten Fällen kann die Angst vor Ablehnung dazu führen, dass eine regelrechte Phobie entwickelt wird.

Doch wie entsteht überhaupt Schüchternheit?

Prinzipiell gibt es hierfür zwei Möglichkeiten.

Zum einen könnte es sein, dass die Schüchternheit genetisch vererbt wurde.

Und zum anderen können schlechte Erfahrungen dafür verantwortlich sein.

Solche Erfahrungen können zu schlechten Gefühlen führen und folgerichtig zu schlechten Gedanken.

Wir denken schlecht von uns und bauen unser Glaubenssystem dahin gehend auf, dass wir uns immer schnell daran erinnern wird, dass wir uns lieber nicht zu weit vorwagen sollten.

Erröten, Schweißausbrüche, eine zittrige Stimme können solche Signale sein.

Wenn wir mal so richtig auf die Nase gefallen sind, als wir uns präsentieren wollten, wenn wir uns bis auf die Knochen blamiert haben, kann es sein, dass wir zukünftig alles dafür tun werden, um nicht mehr in solche Situationen zu kommen.

Gibt es einen Ausweg aus der Schüchternheit?

Ja, den gibt es.

Wenn eine oder mehrere Erfahrungen dafür verantwortlich sind, dass wir uns nicht mehr trauen, uns zu zeigen, dann heißt das aber auch, dass neue Erfahrungen, die gut für uns verlaufen, das Gegenteil hervorrufen können.

Zwangsläufig werden wir uns mehr zutrauen.

Und ein größeres Selbstvertrauen entwickeln.

Auch bei genetischer Ursache hilft diese Vorgehensweise, weil die erzeugten Gefühle, eine Umprogrammierung unserer Denk- und Glaubenssyste zur Folge hat.

Doch wie funktioniert das nun konkret?

Wie sollen ausgerechnet wir das umsetzen?

Wenn wir doch glauben, dass wir das gar nicht können.

Jeder andere Mensch schon, aber wir… ausgeschlossen!

Ran an die Buletten!

Hier besteht die Kunst darin, sich selbst mit der eigenen Angst zu konfrontieren.

Und damit meine ich nicht, dass wir uns die größtmögliche Herausforderung suchen sollten, die wir uns nur vorstellen können.

Schritt für Schritt ist hier der richtige Weg.

Die Strategie der kleinen Schritte.

Überlege einmal, was wäre der denkbar kleinste Schritt, den Du ausprobieren könntest?

Der Allerkleinste, mit minimalstem Risiko?

Und doch anspruchsvoll genug, um Dich aus Deinem Schneckenhaus, Deiner eigenen Komfortzone herauszulocken?

Der Allerallerallerkleinste?

Darum geht es, mit überschaubarem Risiko, kannst Du immer und immer wieder neue Herausforderungen suchen, um neue und gute Erfahrungen zu sammeln und bessere Gefühle und Gedanken zu entwickeln.

Vielleicht schenkst Du einer fremden Person ein Lächeln?

Oder einen Moment, in dem Du den Augenkontakt suchst?

Ich bin mir ganz sicher, dass Dir schnell Ideen kommen werden, die Du auch direkt und erfolgreich umsetzen kannst.

Ein zu großer Schritt wird Dich mit Sicherheit in deine Panikzone befördern.

Ein kleiner Schritt führt Dich hingegen in Deine Lernzone mit überschaubarem Risiko.

So habe ich das gemacht.

Ich habe mir immer neue Herausforderungen gesucht.

Zunächst unbewusst.

Als ich irgendwann merkte, dass ich mich dadurch veränderte, habe ich das forciert.

Heute bin ich an einem Punkt, an dem ich sagen kann, dass ich Menschen offen und neugierig begegnen kann, selbst wenn ich Ablehnung erfahre, kann ich das anerkennen.

Ich weiß aber auch, dass dies vielleicht mehr mit der anderen Person als mit mir zu tun hat.

Fazit

Schüchternheit hat zunächst einmal nichts damit zu tun, ob Du von der Veranlagung eher introvertiert oder extrovertiert bist.

Ich kann zum Beispiel in beide Richtungen schwenken, je nachdem, wie ich mich bewusst entscheide.

Früher fiel mir das schwer, denn meine Schüchternheit hat mich darin eingeschränkt, mich zu zeigen, mir überhaupt eine Sichtbarkeit anzueignen.

Schüchternheit ist etwas, das aus Erfahrungen oder aus der genetischen Vererbung stammt.

Neue Erfahrungen führen dazu, dass unsere alte Glaubens- und Denkmuster überschrieben werden, verstärkt durch unsere Gefühle, die wir erfahren werden.

Dabei empfehle ich die Strategie der kleinen Schritte, heraus aus Deinem Schneckenhaus, aus Deiner Komfortzone.

Schon bald wirst Du merken, dass etwas anders ist.

Genieße es!

Und nun: Ran an die Buletten!

Üben, üben, üben, in kleinen Schritten 🙂

Nur das Beste
Dein Michael

Michael

Über Michael

Ich bin zertifizierter Business Coach (IHK) und liebe Veränderung und Persönlichkeitsentwicklung. Veränderung funktioniert dann nachhaltig, wenn wir ein klares “JA” dafür haben und wenn die Ziele, die wir uns setzen, nicht zu groß sind, und zu uns passen. Schritt für Schritt mutig aus der Komfortzone, vom Kleinen zum Großen.

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