Arbeitspause

Gute Gründe, warum Du in Deinem Job bleibst, obwohl Du ihn so hasst…

22.06.2017 / Veröffentlicht in Blog, Komfortzone, Selbstwertgefühl stärken, Sinn des Lebens

Heute war wieder so ein Tag…

Erwin kam geschafft nach Hause.

Ausgelaugt, total erschöpft.

Der Chef hatte wieder einmal keine klare Ansagen gemacht, das verursachte natürlich Chaos.

Wieder einmal.

Die Kollegen wollten auch ständig etwas von ihm.

Die Nachbarabteilungen stellten sich auch auf stur, egal was er von ihnen wollte.

Seit Jahren geht das nun so.

Sein Gehalt bezeichnet er gerne als Schmerzensgeld und irgendwie ist es immer noch zu niedrig.

Seit einer gefühlten Ewigkeit.

Erwin könnte jederzeit Bewerbungen schreiben und sich neue Herausforderungen suchen, doch er macht es nicht nicht.

Kennst Du das?

Dann kann ich Dir sagen, dass es mir auch einmal so ging.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, sagt man, aber ich glaube, das ist nicht die Ursache dafür, dass so so viele Menschen mit ihrem Job unzufrieden sind und trotzdem nichts unternehmen, um sich zu verändern.

Um das zu verstehen, lohnt es sich den sogenannten Ökologiecheck zu machen.

Das Gute an der IST-Situation

Die jetzige Job-Situation von Erwin (Erwin ist natürlich eine fiktive Person) muss etwas Gutes für Erwin haben, sonst würde er ja folgerichtig den Job wechseln.

Das heißt, die Vorteile im jetzigen Arbeitsverhältnis zu bleiben müssen zwangsläufig für Erwin mehr Vorteile als Nachteile haben.

Erwin vergleicht unbewusst Preise, im Sinne von:

Was kostet es mich im jetzigen Job zu bleiben (Nerven, Geduld, Spaß, etc.) vs. Was würde ihn ein neuer Job kosten?

Werte sind unbewusste Treiber

Jeder von uns hat Werte.

Also Dinge, die wichtig für das eigene Leben sind.

Es könnte zum Beispiel zu sein, dass Erwin einen sehr hohen Wert hat.

Nämlich Sicherheit.

Der jetzige Job, ist nervig, aber sicher.

Erwin besitzt einen unbefristeten Vertrag, der Firma geht es gut und ist sehr gut in seinem Job.

Er ist ein Experte und sein Arbeitsplatz ist aller Voraussicht nach auf Jahre gesichert.

Das hilft ihm, die Raten für das Haus abzubezahlen und einen großzügigen Lebensstil zu finanzieren, er sorgt für eine gute Ausbildung seiner beiden Kinder, und er kann auch zweimal im Jahr mit der Familie in den Urlaub.

Ein neuer Job kann ihm das vielleicht auch alles bieten…

Angst vor dem Unbekannten

Menschen gehen unterschiedlich mit bevorstehenden Veränderungen um.

Der eine freut sich und den anderen verfolgt ein komisches Gefühl.

Erwin ist wie gesagt ein Experte auf seinem Gebiet, er weiß aber auch, dass sich die Welt in der Zeit, in der er für seine Firma tätig ist, weitergedreht hat.

Neue Technologien und andere Fähigkeiten könnten nun in einem neuen Job gefragt sein.

Kann er da bestehen?

Das ist eine Frage der Selbstwirksamkeit.

Wie sehr glaubt Erwin daran, dass er den Anforderungen des neuen Jobs gerecht werden kann?

Auch das neue Umfeld ist ungewiss, seinen alten Chef kennt er bestens, mit allen seinen Stärken und Schwächen und auch sein derzeitiges Team ist ihm wohlvertraut.

Das neue System, in das er kommen würde, kennt er noch nicht.

Die Probezeit müsste er auch erst einmal bestehen.

Und wer sagt eigentlich, dass der neue Job besser sein würde, als sein jetziger?

Angst vor dem Neuen kann auch Treiber für das Verbleiben im Job sein.

Angst vor der Verantwortung für das eigene Leben

Erwin empfindet sich als Opfer.

Andere sorgen dafür, dass ihm der Job keinen Spaß mehr macht.

Der Chef, das Team, die Kunden.

Alle stressen ihn.

Nur: Seinen Chef wird Erwin genauso wenig ändern, wie die Kollegen oder die Kunden.

Erwin sieht offensichtlich nicht, dass er für sein eigenes Leben ganz alleine verantwortlich ist.

Er könnte eine andere innere Haltung annehmen, kündigen oder sich weiterbilden oder etwas ganz anderes machen, was ihn weiterbringen würde, nur er tut es nicht.

Erwin steckt in der sogenannten Opferrolle und dort ist es zwar schlimm, aber er kann ja nichts dafür.

Die Opferrolle ist ein Teil von Erwins Komfortzone, die ihm nicht unbedingt bewusst sein muss.

Veränderung ist auch eine Frage des Selbstwertes

Nehmen wir einmal an, Erwin wäre jetzt Anfang 50.

Gerade war ein Meeting und das ist wie fast immer doof gelaufen.

Die jungen Mitarbeiter kommen aber auch immer mit komischen Ideen.

Typisch, frisch von der Uni und schon wollen sie alles verändern.

Am liebsten würde Erwin alles hinschmeißen.

Er überlegt weiter, wie wohl seine Chancen wären überhaupt noch irgendwo auf dem Arbeitsmarkt unterzukommen.

“Hmmmm, schwierig.” resümiert er in einem Bruchteil von Sekunden.

Ihm fehlt der Glaube an sich selbst, auch gegen jüngere Bewerber bestehen zu können.

Und so widmet er sich seufzend seinen Aufgaben, die er so überhaupt nicht mehr mag…

All die gezeigten Gründe können aber müssen nicht der Treiber für das Verbleiben im jetzigen Job sein.

Es mag gerade im Wertebereich noch zahlreiche weitere geben, die verhindern, dass sich Erwin umsieht.

Wenn Erwin sich nicht entscheidet, etwas zu verändern, dann wird sich auch nichts verändern.

Ich wünsche meinem fiktiven Erwin jedenfalls, dass er sich Schritt für Schritt aus seiner Komfortzone bewegt, um für sich eine Lösung zu finden, die zu ihm passt.

Der Anfang könnte sein, dass er einfach mal die gängigen Jobportale durchstöbert und sich ein erstes Bild vom Markt da draußen macht.

Oder sich seiner Stärken und Schwächen bewusst wird.

Schritt für Schritt, bis er in der Lage ist, eine Entscheidung für oder gegen den jetzigen Job zu treffen.

Wo stehst Du gerade?

Wie gesagt, wenn Dir Erwin aus Deinem eigenen Leben hier und da bekannt vorkommt, dann tröste Dich, mir ging es in vielen Punkten genauso.

Sicherheit war einmal mein oberster Wert.

Und ich kann Dir versichern, es lohnt sich genau hinzuschauen, was Dich davon abhält, Dich zu verändern.

Und vielleicht bewirkt das auch noch einmal eine andere Sichtweise auf den eigenen Job, ist es vielleicht gar nicht so schlimm?

Vielleicht gibt es ja durchaus Komponenten, die Du wertschätzen könntest.

Ich wünsche Dir, sofern Dich diese Thematik gerade umtreiben sollte, vor allem Klarheit, damit sie Dir hilft, die richtigen Entscheidungen für Dich und Dein Leben zu treffen.

In diesem Sinne, nur das Beste
Dein Michael

Michael

Über Michael

Ich bin zertifizierter Business Coach (IHK) und liebe Veränderung und Persönlichkeitsentwicklung. Veränderung funktioniert dann nachhaltig, wenn wir ein klares "JA" dafür haben und wenn die Ziele, die wir uns setzen, nicht zu groß sind, und zu uns passen. Schritt für Schritt mutig aus der Komfortzone, vom Kleinen zum Großen.

one comment

  1. Lusie Hilfe sagt:

    Hallo ,
    danke für den hochinformativen Artikel! Vielen Dank für die Tipps auch.
    LG
    Lusie

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